Yoga üben mit Glaukom (grünen Star)

Bevor ich mit der Diagnose Glaukom konfrontiert wurde, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, welche Auswirkungen das auf die Yogapraxis haben könnte. Mir war immer klar, dass Menschen mit Bluthochdruck, Epilepsie, Schwindel oder erhöhten Augeninnendruck keine Umkehrhaltungen machen sollten, aber so richtig durchdacht habe ich das für mich in der Praxis nicht, denn tatsächlich hatte ich einen solchen Fall noch nicht in meiner Stunde.

Was bedeuten Umkehrhaltungen? Per Definition alle Haltungen, bei denen der Kopf unterhalb des Herzens gehalten wird. Jeder denkt sofort an den Kopfstand, aber wer denkt an den nach unten schauenden Hund, der Klassiker einer jeden Vinyasa Yogastunde? Wer denkt an die Vorwärtsbeuge oder gar an die Yogaliegestütze oder verschiedenste Vorbeugen? Tatsächlich ist der nach unten schauende Hund die Haltung, bei der, der Augeninnendruck massiv ansteigt und gleichzeitige eine ideale Übergangshaltung für die Stehhaltungen und in mancher Stunde auch eine gerne gesehene Ruheposition.

Es gibt Haltungen wie die Yogaliegestütze, die sich abwandeln lassen und die man softer gestalten kann. In machen Haltungen bietet es sich an, einfach nicht allzu lange zu verweilen.  Der Augeninnendruck sinkt nach der Umkehrhaltung auch wieder, aber die Druckanstiege in machen Haltungen sind bedenklich.

Für jemanden, der einmal in der Woche praktiziert ist es sicherlich nicht von großer Bedeutung. Da gibt es andere Lebensbereiche, die man sich noch einmal in Ruhe anschauen sollte, wie den Schlaf, die Schlafposition, die Ernährung und die Ruhepausen sowie den Stress.

Stress soll einer der Auslöser für erhöhten Augeninnendruck sein. An erster Stelle stehen aber natürlich Veranlagung und Vorerkrankungen.

Nach Sichtung aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Glaukom (da gibt es nicht viele) und Ansätze zur Therapie bietet es sich an die Yogapraxis so aufzubauen, dass die Mediation einen besonderen Stellenwert bekommt, veränderte Ruhepositionen, Vinyasa Flows mit Steh- und Sitzsequenzen, ohne das vom Stehen immer wieder zum Sitzen gewechselt wird. Zu meiner persönlichen Praxis gehören auch Augen- und Fußübungen, YIN Yoga Elemente und Atemübungen.

Es Bedarf etwas Kreativität, Erfahrung und Vorkenntnissen, um seine eigene Praxis anzupassen, wenn man vom Glaukom betroffen ist. An einer normalen Vinyasa Yogastunde kann man aber natürlich teilnehmen. Man sollte dem Lehrer nur vorher sagen, dass Umkehrhaltungen nicht möglich sind und idealerweise kann dieser dann direkt ein paar modifizierte Haltungen oder Ersatzhaltungen anbieten.

Als Betroffener merkt man leider selten, dass der Augeninnendruck steigt. Man sollte hier also proaktiv sein. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich den Anstieg sehr wohl und auch sehr stark spüre. Das hat mir zum einen gezeigt, dass es viel mehr Umkehrhaltungen gibt, als angenommen und versetzt mich in die Position hier vielfältige Alternativen und neue Flows zu entwickeln.

Wenn ich so etwas wie ein Motto habe, dann ist es wohl so etwas wie „Herz über Kopf“, aber das gilt nun mehr nur noch für Entscheidungen, die ich treffe. Den Perspektivenwechsel, den die Umkehrhaltungen bieten, finde ich fortan in meiner Achtsamkeitspraxis.

Kein Yogalehrer, kein Yogaschüler, keine Yogapraxis ist es wert, dass man sein Augenlicht riskiert. Dennoch bleibt das wohl wichtigste zum Thema der berühmteste Satz aus dem Werk „Der kleine Prinz“ von Saint-Exupéry :

Man sieht nur mit dem Herzen gut.

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